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Zusammen mit dem Künstler Sasa Miskovic schuf Robert van Oz die Multimedia Performance “Silent Blue”. Das Projekt ins Leben rief jedoch Sasa Miskovic, denn er möchte die Menschen wachrütteln mit seiner Austellung. Lisa Wellsandt, die Projektmanagerin schreibt Folgendes über die Austellung:
“Silent Blue – ein einfacher Name für eine grausame Tat. Chicago am 19. Juni 1977, ein kleines Mädchen namens Ivanka wird mit 54 Messerstichen grausam hingerichtet um den Mord ihres Stiefvaters zu vertuschen, der Titogegner und Widerstandskämpfer gegen den Kommunismus war. Man erinnert sich dunkel, aber an keine genauen Umstände. Warum musste dieses kleine, unschuldige Mädchen auf so brutale Weise sterben?
Genau dieses Problem, das Vergessen dieser unglaublichen Geschichte, bewegte den Künstler Sasa Miskovic dazu, dem Mädchen und ihrer Geschichte eine gesamte Ausstellung zu widmen. Jahrelang bechäftigte er sich mit dieser Geschichte und möchte nun die Menschen dazu zwingen, sich zu erinnern und ein Mahnmal für alle noch kommenden Generationen errichten. Seine Gemälde sollen dem Leben dieses Mädchens einen Sinn geben und ihr nun endlich ewigen Frieden schenken.
Der Künstler vereint in seiner Ausstellung Ölmalerei, Fotografie, Theater und Musik auf eine faszinierende Weise. Die eigens für diese Ausstellung komponierte Musik von Robert van Oz gibt dem Ganzen den besonderen Schliff.”
Anlass für „Silent Blue“
Ich war schockiert über die Berichterstattung der deutschen Medien über die Feier, zum Berliner Mauerfall vor 20 Jahren. Es wurde kaum über die Stasiopfer gesprochen. Die Zeremonie war eher eine Mischung aus lächelnden Politikern und ahnungslosen Menschenmassen. „Silent Blue“ (Stilles Blau) erzählt über StasiExekutionen, Mord und Gewalt, über Familien die im Ausland verfolgt und liquidiert wurden. Das jüngste Opfer dieser Zeit, die 9-jährige Ivanka Milosevic, wurde zerstückelt in Chicago neben ihrem Stiefvater Dragisa Kasikovic, der damals Tito Gegner und Wiederstandskämpfer gegen den Kommunismus war, gefunden. Es ist nicht zu vergessen das in den selben Jahren und von den gleichen Killerkommandos über 50 serbische intellektuelle in Deutschland und anderen europäischen Staaten auf brutalste Art und Weise ermordet wurden (Der Spiegel Nr. 49/1975). Dieses kleine Mädchen steht für alle Stasiopfer! Es ist ein Mahnmal für unsere und alle kommenden Generationen. Die Menschen neigen oft dazu die Geschichte zu vergessen. Sie wollen sich nicht erinnern. Es ist die Aufgabe eines jeden von uns an die grausamen Ereignisse zu erinnern und sie nicht tot zu schweigen. Wenn man sich mit der europäischen Geschichte auseinandersetzt, watet man oft knietief im Blut – Europa ist ein schweres und blutiges Erbe. Berlin feiert 20 Jahre Mauerfall, präsentiert meist nur blumige Geschichten .Den Menschen werden die Verbrechen von damals, meiner Meinung nach, viel zu oft vorenthalten und sie werden mit der Schattenseite des Systems viel zu wenig konfrontiert. Dies kann keine „aufklärende Geschichte“ sein. Pro und contra statt Glorifizierung eines Mythos.
Was ist „Silent Blue“?
Mir ist aufgefallen das meine Gemälde von toten, abgemagerten, gedemütigten und zu Tode gequälten Kindern aus den Konzentrationslagern bei Jugendlichen eine Art von Bewunderung auslösen, oder, man könnte auch Bereicherung sagen. Meine Werke, die über die schrecklichen Dinge der Menschheit erzählen, werden von Jugendlichen oftmals als „Cool“ und wunderschön gesehen. Mir war klar das der Sinn für einen gesunden Menschenverstand, Objektivität und rationales Denken nicht mehr vorhanden ist. Wenn ein Jugendlicher mehrmals am Tag durch Videospiele oder Fernseher schreckliche Ereignisse wie Tod erleben kann, ohne jegliche Konsequenzen, dann verschiebt sich die Wertigkeit vom Tod. Wenn grausame Dinge, Kriegsszenarien, Selbstmörder usw. zur täglichen Unterhaltung werden, dann verzehrt sich das Bild und die Grenze zwischen Gut und Böse in den Köpfen dieser jungen Menschen. Dazu kommt das alltägliche Ausmaß von Alkohol und Drogenkonsum. Alle diese Einflüsse führen dazu das ein Schüler sich die Waffe seines Vaters nimmt, seinen Selbstmord bei Youtube verkündet und am nächsten Tag in seiner Schule Amok läuft. Bei dem Projekt „Silent Blue“ habe ich absichtlich keine originalen Dokumente oder Fotos benutzt. Ich wollte eher eine Bestandsaufnahme und zwar mit Kindern die derzeit in Deutschland leben. Selbstverständlich mit der Erlaubnis der Eltern. Jugendlichen ein Thema geben, ihnen die Geschichte erklären und ihnen alles andere zu überlassen (Das Konzept, Gesichtsausdrücke, Musik komponieren etc.). Das heißt, ihnen Zeit zu geben sich mit der Geschichte bekannt zu machen, sie zu analysieren, zu fühlen und auseinanderzusetzen. Allerdings von der anderen Seite. Unterschied zwischen Virtualität und Realität zu verstehen. Es ist paradox einerseits Kindern Märchen zu erzählen, in der Hoffnung sie von der Realität zu verschonen, gleichzeitig sie aber stundenlang gewaltvolle Videospiele spielen zu lassen.
Das Projekt „Silent Blue“ ist ein Versuch Jugendliche zu überzeugen das Amok oder sonstige Verbrechen nicht „Cool“ sind und das uns die Geschichte immer wieder an schreckliche Dinge erinnert die wir in der Zukunft vermeiden müssen und nicht wiederholen. Natürlich nur, wenn eine solche Idee und derartige Projekte nicht schon im Anfangsstadium satanisiert und als unmoralisch und verantwortungslos verurteilt werden.
In Koproduktion mit “ ISTAR „ Filmproduktion, gefördert vom Ministerium für Diaspora von der Regierung der Republik Serbien, Parlament der Stadt Belgrad und zahlreichen anderen Sponsoren, ist aus Sasa Miskovic`s Multimedia Performance „Silent Blue“ ( mehr über Silent Blue lesen ) ein fantastischer Dokumentarfilm geworden.
Der Film “In Erinnerung auf Dragisa und Ivanka“ (Originaltitel: „У спомен на Драгишу и Иванку”) wird auf dem BELDOCS Internationalen Dokumentarfilmfestival zwischen dem 04. und 11. Mai 2011 zu sehen sein. Danach folgt die Weltpremiere auf verschiedenen Filmfestivals, wie z. B. Internationalen Film- und TV-Festival „Der goldene Ritter“ in Moskau, in Chicago, usw.. Außerdem wird der Film ab Mai 2011, in ausgewählten TV Sendern zu sehen sein.
Ich bedanke mich recht herzlich bei allen Mitwirkenden!
Sasa Miskovic
(Foto – BELDOCS 2001)
Das offizielle Poster und ein Screenshot vom Film:
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